Blumenkränze im hellen Juni, Feuer am See und Kerzen in dunklen Dezemberfenstern: Viele nordische Feste folgen dem Wechsel von Licht, Jahreszeiten und Natur. Gemeinsam gefeiert wird häufig mit regionalen Speisen, Musik und Ritualen, deren Ausprägung sich von Land zu Land deutlich unterscheidet.
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Im engeren Sinn bezeichnet Skandinavien Dänemark, Norwegen und Schweden. Da Finnland bei Mittsommer, Lucia und Weihnachten eng mit dem skandinavischen Kulturraum verbunden ist, spricht dieser Überblick an den entsprechenden Stellen vom nordischen Raum. Das Baltikum gehört nicht dazu und wird daher nicht einbezogen.
Nordische Feste im Überblick
| Termin | Fest | Land oder Region | Typische Bräuche |
|---|---|---|---|
| 6. Februar | Samischer Nationaltag | Sápmi in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland | Flaggen, Konzerte, Kulturveranstaltungen und politische Begegnungen |
| Februar oder März | Fastelavn | Dänemark | Kostüme, Süßigkeiten aus einer Tonne schlagen, Fastelavnsboller |
| 30. April und 1. Mai | Valborg und Vappu | Schweden und Finnland | Frühlingsfeuer, Chorgesang, studentische Feiern und Picknicks |
| 17. Mai | Verfassungstag | Norwegen | Kinderumzüge, Musikkapellen, Flaggen und Bunad-Trachten |
| 6. Juni | Nationalfeiertag | Schweden | Flaggen, Musik und öffentliche Zeremonien |
| Ende Juni | Midsommar, Juhannus und Sankt Hans | Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen | Blumen, Birkenzweige, Feuer, Tanz und gemeinsames Essen |
| August und September | Kräftskiva | Schweden | Krebse, Papierlaternen, Hüte und Trinklieder |
| 6. Dezember | Unabhängigkeitstag | Finnland | Kerzen, Gedenkveranstaltungen und der Empfang des Präsidenten |
| 10. Dezember | Nobeltag | Schweden und Norwegen | Preisverleihungen in Stockholm und Oslo |
| 13. Dezember | Lucia | vor allem Schweden und schwedischsprachiges Finnland | Lichterprozessionen, Gesang und Safrangebäck |
| 24. Dezember | Weihnachten | gesamter nordischer Raum | Familienessen, Bescherung und regional unterschiedliche Speisen |
Winter und Vorfrühling: Fastelavn und samischer Nationaltag
Fastelavn in Dänemark
Das dänische Fastelavn liegt in der Zeit vor der christlichen Fastenzeit und erinnert heute an eine Mischung aus Karneval und Kinderfest. Kinder verkleiden sich und schlagen bei slå katten af tønden nacheinander auf eine aufgehängte Tonne. Darin befindet sich längst keine Katze mehr, sondern Süßigkeiten; die schwarze Katze ist meist nur noch als Bild auf der Tonne zu sehen.
Zur Saison gehören Fastelavnsboller, süße Teilchen mit Creme, Pudding oder Marmelade. Der genaue Termin ist beweglich. Wer das Fest auf einer Dänemarkreise erleben möchte, sollte deshalb den örtlichen Veranstaltungskalender prüfen.
Der samische Nationaltag am 6. Februar
Der 6. Februar ist der Nationaltag der Samen und wird grenzüberschreitend in Sápmi begangen, dem traditionellen Siedlungsgebiet in Norwegen, Schweden, Finnland und Russland. Das Datum erinnert an das erste länderübergreifende samische Treffen, das 1917 in Trondheim stattfand.
Konzerte, Flaggenzeremonien, Ausstellungen und politische Veranstaltungen machen samische Sprachen und Gegenwartskultur sichtbar. Für Besucher ist der Tag eine Gelegenheit, sich mit einer vielfältigen indigenen Kultur auseinanderzusetzen. Traditionelle Kleidung und Zeremonien sollten dabei nicht als touristische Kulisse behandelt werden.
Frühling: Feuer, Picknicks und Norwegens 17. Mai
Valborg in Schweden und Vappu in Finnland
Am Abend des 30. April begrüßt Schweden mit Valborg den Frühling. In vielen Orten werden Feuer entzündet, Chöre singen Frühlingslieder und lokale Redner verabschieden symbolisch den Winter. Besonders lebhaft fällt der Tag in Universitätsstädten wie Uppsala und Lund aus.
Das finnische Vappu beginnt ebenfalls am 30. April und setzt sich am 1. Mai fort. Studentische Traditionen, weiße Abiturmützen und Picknicks gehören ebenso dazu wie sima, ein leicht fermentiertes Getränk, sowie Trichtergebäck und Berliner. Vappu verbindet Frühlingsfest, studentische Feier und den Tag der Arbeit.
Norwegens Verfassungstag am 17. Mai
Der norwegische Verfassungstag erinnert an die Unterzeichnung der Verfassung von 1814. Im Mittelpunkt stehen keine Militärparaden, sondern Umzüge von Schulkindern, begleitet von Musikkapellen und einem Meer norwegischer Flaggen. Viele Menschen tragen einen regional geprägten Bunad oder eine modernere Festtracht.
In Oslo führt der große Kinderumzug am Königlichen Schloss vorbei. Auch kleinere Orte veranstalten eigene Prozessionen, Spiele und gemeinsame Frühstücke. Geschäfte und Behörden sind überwiegend geschlossen; in Stadtzentren werden Straßen gesperrt und Restaurants sind häufig früh ausgebucht.
Mittsommer: Midsommar, Juhannus und Sankt Hans
Mittsommer findet nahe der Sommersonnenwende statt, aber nicht überall am astronomisch längsten Tag. Schweden und Finnland haben bewegliche Termine, während Dänemark und Norwegen traditionell am Abend des 23. Juni feiern. Gemeinsam sind den Festen die hellen Nächte, Treffen im Freien und die Verbindung von älteren Naturvorstellungen mit christlichen Johannisbräuchen.
Schwedischer Midsommar
Die schwedische Midsommarafton fällt auf den Freitag zwischen dem 19. und 25. Juni. Sie ist kein gesetzlicher Feiertag, dennoch haben viele Beschäftigte frei und zahlreiche Geschäfte bleiben geschlossen. Der gesetzliche Midsommertag folgt am Samstag.
Eine mit Blättern und Blumen geschmückte midsommarstång, oft auch majstång genannt, bildet den Mittelpunkt vieler öffentlicher Feiern. Um sie wird zu Tanzliedern wie „Små grodorna“ getanzt. „Helan går“ gehört dagegen vor allem an den Tisch und begleitet als Schnapslied das gemeinsame Anstoßen.
Auf der Festtafel stehen häufig neue Kartoffeln mit Dill, eingelegter Hering, Sauerrahm, Schnittlauch, Knäckebrot und Käse. Erdbeeren mit Sahne oder eine Erdbeertorte schließen das Essen ab. Ein überlieferter Volksglaube empfiehlt, sieben verschiedene Blumen zu pflücken und unter das Kopfkissen zu legen, um vom zukünftigen Partner zu träumen.
Weitere Einzelheiten zu Termin, Speisen und Tanzbräuchen bietet der Beitrag über Mittsommer in Schweden.
Juhannus in Finnland
Finnisches Juhannus wird am Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni begangen; die Feiern beginnen meist schon am Vorabend. Viele Menschen verlassen die Städte und verbringen das Wochenende im Sommerhaus. Sauna, Schwimmen, Grillen und Zeit am See gehören für zahlreiche Familien zum Fest.
Birkenzweige schmücken Türen und Boote. Wo es die örtliche Waldbrandlage erlaubt, werden an Seen oder Meeresküsten juhannuskokko genannte Feuer entzündet. In Städten gibt es ebenfalls öffentliche Feiern, doch Öffnungszeiten und Nahverkehr können eingeschränkt sein.
Sankt Hans in Dänemark und Norwegen
Dänemark und Norwegen feiern Sankt Hans am Abend des 23. Juni. Öffentliche Feuer, Musik und gemeinsames Singen stehen im Mittelpunkt. In Dänemark wird häufig eine als Hexe gestaltete Strohpuppe auf das Feuer gesetzt. Dieser vergleichsweise junge Brauch sollte nicht pauschal auf norwegische Feiern übertragen werden.
In Norwegen unterscheiden sich die Veranstaltungen regional. Manche Gemeinden organisieren kleine Feuer am Wasser, während Orte wie Ålesund für besonders große Johannisfeuer bekannt sind. Ob ein Feuer stattfinden darf, hängt von Wetter, Waldbrandgefahr und kommunalen Vorgaben ab.
Spätsommer: Kräftskiva in Schweden
Wenn die Abende wieder kürzer werden, beginnt in Schweden die Zeit der Kräftskiva. Die Krebsfeste finden überwiegend im August und September statt und gehen auf frühere gesetzliche Fangzeiten zurück. Heute gibt es keinen einheitlichen Starttermin mehr; neben schwedischen Krebsen werden häufig importierte oder tiefgekühlte Tiere serviert.
Die gekochten Krebse kommen kalt und meist mit reichlich Kronendill auf den Tisch. Brot, Käse, Salate und eine Västerbotten-Käse-Tarte sind verbreitete Beilagen. Bunte Papierlaternen, Lätzchen und spitze Papierhüte nehmen dem Essen jede förmliche Strenge.
Zu Aquavit oder anderen Getränken werden kurze snapsvisor, also Trinklieder, angestimmt. Alkohol ist jedoch kein notwendiger Bestandteil des Festes. Charakteristisch sind vielmehr das langsame Essen, die gemeinsame Tafel und der leicht verspielte Abschied vom Sommer.
Dezember: Unabhängigkeitstag, Nobelpreis und Lucia
Finnlands Unabhängigkeitstag
Finnland begeht seinen Unabhängigkeitstag am 6. Dezember. Das Land erklärte 1917 seine Unabhängigkeit. Der Feiertag ist stärker von Gedenken und staatlichen Zeremonien geprägt als von einem ausgelassenen Straßenfest.
In vielen Fenstern stehen zwei blau-weiße Kerzen. Gottesdienste, Besuche an Kriegsgräbern und Fackelzüge gehören ebenso zum Tag wie der abendliche Empfang des finnischen Präsidenten, den viele Menschen im Fernsehen verfolgen.
Der Nobeltag ist ein Zeremonialtag, kein Volksfest
Am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, werden die Nobelpreise verliehen. Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin und Literatur werden in Stockholm ausgezeichnet; der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht. Der zusätzlich vergebene Preis für Wirtschaftswissenschaften ist offiziell der Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel und kein ursprünglicher Nobelpreis aus seinem Testament.
Der Nobeltag ist in Schweden ein offizieller Flaggentag, aber kein allgemein begangener Feiertag. Für Reisende sind vor allem die öffentlichen Vorträge, Ausstellungen und Übertragungen der Nobelwoche interessant.
Lucia am 13. Dezember
Das Luciafest bringt am 13. Dezember Licht in die dunkle Jahreszeit. Besonders verbreitet ist es in Schweden und im schwedischsprachigen Finnland. Luciazüge finden in Schulen, Kirchen, Rathäusern, Pflegeeinrichtungen und an öffentlichen Plätzen statt.
Angeführt wird die Prozession von einer Luciafigur im weißen Gewand mit einem Lichterkranz. Es folgen je nach Veranstaltung weitere weiß gekleidete Teilnehmer, Sternenjungen, Wichtel oder Pfefferkuchenfiguren. Gerade bei Kindern ersetzen elektrische Lichter häufig echte Kerzen.
Zum Fest gehören Lucialieder, Kaffee, Pfefferkuchen und lussekatter, S-förmige Safrangebäcke mit Rosinen. Beliebte Konzerte sind teilweise lange im Voraus ausgebucht.
Weihnachten: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
In Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland ist der 24. Dezember der wichtigste Tag der familiären Weihnachtsfeier. Adventslichter, Weihnachtsmärkte, Reisgerichte und Wichtelfiguren begegnen einem in mehreren Ländern. Beim Festessen und beim Ablauf des Abends treten jedoch deutliche regionale und familiäre Unterschiede hervor.
Schweden: Julbord und Kalle Anka
Das schwedische julbord ist ein Buffet mit eingelegtem Hering, Lachs, Weihnachtsschinken, Fleischbällchen, Würstchen und Kartoffelgerichten. Um 15 Uhr sehen viele Familien die Fernsehsendung „Kalle Anka och hans vänner önskar God Jul“. Wann gegessen und wann die Bescherung gefeiert wird, entscheidet jedoch jede Familie selbst.
Dänemark: Risalamande und Tanz um den Baum
In Dänemark kommen häufig Schweinebraten oder Ente mit Kartoffeln, Rotkohl und Sauce auf den Tisch. Als Dessert wird risalamande, ein Reis-Mandel-Dessert mit Kirschsauce, serviert. Wer die versteckte ganze Mandel findet, erhält traditionell ein kleines Geschenk. Viele Familien singen und gehen Hand in Hand um den Weihnachtsbaum, bevor die Geschenke geöffnet werden.
Norwegen: Regionale Weihnachtsküche
Norwegische Weihnachtsgerichte unterscheiden sich nach Region und Familie. Verbreitet sind ribbe, gebratener Schweinebauch, und pinnekjøtt, getrocknete und gesalzene Lammrippen. Eine Schale Reisbrei für den Haus- oder Stallwichtel Fjøsnissen erinnert an ältere bäuerliche Vorstellungen.
Finnland: Weihnachtssauna und Kerzen auf den Gräbern
In Finnland gehören für viele Menschen die Weihnachtssauna, Schinken und Aufläufe aus Wurzelgemüse zum Heiligabend. Auf Friedhöfen werden Kerzen für verstorbene Angehörige entzündet. Dadurch entstehen in der Dunkelheit eindrucksvolle Lichterfelder, die einen stillen Gegenpol zum Familienfest bilden.
Eine ausführlichere Einordnung der Speisen, Lichtbräuche und Länderunterschiede finden Sie im Beitrag über Weihnachten in Skandinavien.
Praktische Hinweise für Reisende
- Termin prüfen: Fastelavn, Ostern sowie schwedisches und finnisches Mittsommer verschieben sich von Jahr zu Jahr.
- Früh planen: Unterkünfte und Restaurants sind rund um den norwegischen 17. Mai, Mittsommer und die Adventswochen oft stark gefragt.
- Öffnungszeiten beachten: An Mittsommer, Weihnachten und nationalen Feiertagen können Geschäfte, Museen und Verkehrsangebote eingeschränkt sein.
- Feuer nur offiziell besuchen: Johannis- und Valborgfeuer können bei Trockenheit kurzfristig abgesagt werden.
- Natur respektieren: Blumen für Kränze dürfen nicht in Schutzgebieten oder ohne Erlaubnis auf privaten Flächen gepflückt werden.
Fazit
Nordische Feste machen den Jahreslauf sichtbar: Feuer begrüßen den Frühling, Blumen und Birkenzweige begleiten die hellen Sommernächte, Kerzen und gemeinsame Mahlzeiten prägen den Winter. Hinter ähnlichen Motiven stehen jedoch eigenständige dänische, finnische, norwegische, samische und schwedische Traditionen.
Wer ein Fest auf einer Reise erleben möchte, sollte zunächst den Termin bei der Gemeinde oder dem Veranstalter prüfen. Gerade kleinere lokale Feiern vermitteln oft mehr vom heutigen Alltag als große, eigens für Besucher inszenierte Programme.
Quellen
- Visit Sweden: Walpurgis Night and May Day
- Visit Sweden: Experience a Swedish crayfish party
- Visit Sweden: Lucia in Sweden
- Visit Finland: Traditional Finnish celebrations and parties
- Visit Norway: Norway’s National Day
- VisitDenmark: Danish traditions
- Sámi Council: National symbols and Sámi National Day
- Nobel Prize: Award ceremonies and banquets









