Blumenkränze, eingelegter Hering und Tanz in einer fast taghellen Sommernacht: midsommar gehört neben Weihnachten zu den wichtigsten Festen in Schweden. Viele Menschen feiern im Freundeskreis, mit der Familie oder bei einem öffentlichen Fest im Freien.
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Für Reisende ist vor allem der Freitag entscheidend. Dann finden die meisten Feiern statt, während Geschäfte, Restaurants und Verkehrsbetriebe abweichende Zeiten haben können. Wer Mittsommer in Schweden erleben möchte, sollte deshalb Unterkunft, Anreise und Einkäufe früh planen.
Wann wird Mittsommer in Schweden gefeiert?
Der Mittsommerabend, auf Schwedisch midsommarafton, fällt immer auf einen Freitag zwischen dem 19. und 25. Juni. Der folgende Samstag ist der Mittsommertag, midsommardagen, und liegt entsprechend zwischen dem 20. und 26. Juni.
| Jahr | Mittsommerabend | Mittsommertag |
|---|---|---|
| 2027 | Freitag, 25. Juni | Samstag, 26. Juni |
| 2028 | Freitag, 23. Juni | Samstag, 24. Juni |
Bis 1952 war der 23. Juni der feste Mittsommerabend. Seit 1953 richtet sich der Termin nach dem Wochenende. Der Freitag ist heute der eigentliche Höhepunkt des Festes, obwohl erst der Samstag ein gesetzlicher Feiertag ist.
Bedeutung und historische Entwicklung
Mittsommer ist eng mit den längsten Tagen des Jahres verbunden, fällt aber nicht zwangsläufig genau auf die astronomische Sommersonnenwende. In der christlichen Tradition gehörte der 24. Juni zum Gedenktag Johannes des Täufers. Aus diesem Zusammenhang erklärt sich auch, warum ähnliche Sommerfeste in Dänemark und Norwegen als Sankt Hans bezeichnet werden.
Wie Mittsommer in vorchristlicher Zeit gefeiert wurde, lässt sich nicht lückenlos belegen. Eindeutige Aussagen über ein altes heidnisches Fruchtbarkeitsfest greifen daher zu kurz. Schriftliche Beschreibungen schwedischer Mittsommerfeiern sind seit dem 16. Jahrhundert überliefert; viele Bräuche in ihrer heutigen Form entwickelten sich jedoch erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Im bäuerlichen Jahreslauf markierte das Fest eine wichtige Unterbrechung der sommerlichen Arbeit. Wachstum, Ernte und die besonderen Kräfte der hellen Nacht spielten im Volksglauben eine große Rolle. Heute stehen vor allem Gemeinschaft, Natur, Musik und saisonales Essen im Mittelpunkt. Einen größeren Überblick über Feste und Alltagsgewohnheiten bietet der Beitrag zur schwedischen Kultur.
Mittsommerstange, Blumen und gemeinsamer Tanz
Die midsommarstång wird mit Grün geschmückt
Das sichtbarste Symbol des Festes ist die midsommarstång, auch majstång genannt. Die gelegentliche deutsche Übersetzung „Maibaum“ ist missverständlich: Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf das Verb maja, also das Schmücken mit Laub und Grün, nicht auf den Monat Mai.
Die Stange wird meist mit Birkenlaub, Zweigen und Blumen geschmückt und anschließend gemeinsam aufgerichtet. Die heute verbreitete kreuzförmige Gestaltung entstand vergleichsweise spät. Für die oft wiederholte Deutung als Phallus- oder Fruchtbarkeitssymbol gibt es nach Einschätzung des Nordischen Museums keine historischen Belege.
Blumenkränze gehören Kindern und Erwachsenen
Blumenkränze werden aus Blättern und Sommerblumen gebunden und von Kindern ebenso wie von Erwachsenen getragen. Einen verbindlichen Dresscode gibt es nicht. Bei öffentlichen Feiern sieht man neben sommerlicher Alltagskleidung gelegentlich regionale Trachten, besonders in traditionsreichen Gegenden wie Dalarna.
Wildblumen dürfen in Schweden nicht uneingeschränkt gepflückt werden. Das Jedermannsrecht erlaubt zwar das maßvolle Sammeln vieler wild wachsender Blumen, geschützte Arten sind jedoch tabu. Auch private Gärten, Kulturpflanzen und Teile lebender Bäume dürfen nicht einfach genutzt werden. In Nationalparks und Naturschutzgebieten können zusätzliche Regeln gelten.
Små grodorna und der Tanz um die Stange
Nach dem Aufrichten folgen Ring- und Kreistänze für unterschiedliche Altersgruppen. Besonders bekannt ist Små grodorna, „Die kleinen Frösche“. Die Melodie wurde in den 1920er-Jahren in einem Liederbuch dokumentiert und ist seitdem eng mit dem schwedischen Mittsommer verbunden.
Besucher müssen weder Schritte noch Liedtexte vorbereiten. Bei vielen öffentlichen Feiern erklären Musiker oder Tanzleiter, was zu tun ist. Wer nicht mittanzen möchte, kann ebenso gut zuschauen und die Mischung aus Volksmusik, Spiel und sommerlichem Picknick erleben.
Typisches Mittsommeressen
Das Mittsommerbuffet besteht aus einfachen, saisonalen Speisen. Im Zentrum stehen häufig sill, also eingelegter Hering, und kleine Frühkartoffeln, färskpotatis. Die Kartoffeln werden oft mit Dill gekocht und mit Sauerrahm oder gräddfil, Schnittlauch und roten Zwiebeln serviert.
Knäckebrot, Butter, Käse, Lachs und gelegentlich Fleischbällchen oder Grillgerichte ergänzen das Essen. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren mit Sahne oder eine Erdbeertorte. Weitere typische Zutaten und Einkaufsmöglichkeiten finden Sie im Überblick über schwedische Lebensmittel.
Zum Essen wird traditionell manchmal snaps gereicht, meist ein klarer oder gewürzter Schnaps. Vor dem Trinken stimmt die Runde häufig ein kurzes Trinklied, eine snapsvisa, an. Alkohol gehört jedoch nicht zwingend zum Fest; alkoholfreies Bier, Mineralwasser und Beerensäfte passen ebenso zum Buffet. Auch vegetarische Varianten lassen sich leicht aus Kartoffeln, Käse, Brot, Salaten und pflanzlichen Heringsalternativen zusammenstellen.
Praxistipp: Kaufen Sie Lebensmittel und Getränke spätestens am Donnerstag ein. Viele Geschäfte haben am Mittsommerabend verkürzte Öffnungszeiten oder bleiben geschlossen. Kühlpflichtige Speisen sollten bei einem Picknick bis zum Servieren in einer Kühltasche aufbewahrt werden.
Sieben Blumen und andere Mittsommermythen
Nach einem bekannten Volksbrauch werden am Mittsommerabend sieben verschiedene Blumen gesammelt und unter das Kopfkissen gelegt. Wer dabei schweigt, soll im Traum dem zukünftigen Partner oder der zukünftigen Partnerin begegnen. Manche Überlieferungen nennen neun Blumen oder ergänzen weitere Bedingungen, etwa das Überqueren mehrerer Zäune.
Solche Regeln waren regional unterschiedlich und gehören in den Bereich des Volksglaubens. Auch Tau, Quellen und Pflanzen schrieb man in der hellen Mittsommernacht besondere Kräfte zu. Dabei handelt es sich um historische Vorstellungen, nicht um medizinisch belegte Wirkungen.
Erzählungen von Naturwesen und übernatürlichen Kräften gehörten ebenfalls zur älteren Überlieferung. Heute werden sie vor allem als Teil der schwedischen Volkskultur erzählt. Sie zeigen, wie eng die Mittsommernacht früher mit Natur, Zukunftsdeutung und dem Unbekannten verbunden war.
Wo Reisende öffentlich mitfeiern können
Dalarna und Leksand
Dalarna ist besonders für Musik, regionale Trachten und zahlreiche Dorffeste bekannt. Rund um den Siljansee wird nicht überall zur gleichen Zeit gefeiert: Manche Dörfer richten ihre Stange bereits vor dem Freitag auf, andere erst am Mittsommertag. Dadurch lassen sich in der Region mehrere unterschiedliche Feiern besuchen.
Das Fest in Leksand zählt zu den größten öffentlichen Mittsommerveranstaltungen des Landes. Zum traditionellen Ablauf gehören Kirchenboote, Musiker, ein Festzug und das Aufrichten der langen Mittsommerstange im Veranstaltungsbereich Gropen. Unterkünfte rund um Leksand und Tällberg sind während des Wochenendes stark gefragt.
Skansen in Stockholm
Das Freilichtmuseum Skansen veranstaltet seit den 1890er-Jahren Mittsommerfeiern. Üblicherweise gehören das Schmücken und Aufrichten der Stange, Volkstanz, Musik und Aktivitäten für Familien zum Programm. Der Museumsbesuch ist kostenpflichtig; Öffnungszeiten und Programmpunkte sollten Sie vor der Anreise direkt beim Veranstalter prüfen.
Skansen eignet sich besonders für Reisende, die ohne private Einladung an einer gut zugänglichen Feier teilnehmen möchten. Auch im Stockholmer Umland und auf Inseln des Schärengartens finden lokale Feste statt, deren Termine sich jedoch von Jahr zu Jahr ändern.
Riksgränsen und die Mitternachtssonne
Im hohen Norden bleibt es rund um Mittsommer auch nachts hell. Riksgränsen verbindet das Fest traditionell mit der Mitternachtssonne und – bei ausreichender Schneelage und geeignetem Wetter – sogar mit spätem Skifahren. Ob Lifte, Hotel und Gastronomie geöffnet sind, wird jedes Jahr neu festgelegt.
Diese Variante unterscheidet sich deutlich von den grünen Wiesenfesten Mittel- und Südschwedens. Warme und wasserdichte Kleidung gehört trotz der Jahreszeit ins Gepäck, denn das Wetter im Fjäll kann rasch wechseln.
Mittsommer als Reisender erleben
- Früh buchen: Reservieren Sie Unterkünfte in Dalarna, Stockholm, auf beliebten Inseln und in Nordschweden mehrere Monate im Voraus.
- Programme prüfen: Termine und Abläufe öffentlicher Feiern werden häufig erst im Frühjahr veröffentlicht.
- Vorräte besorgen: Planen Sie Einkäufe, Medikamente und gegebenenfalls Kraftstoff vor dem Freitag ein.
- Fahrpläne kontrollieren: Busse, Bahnen und Fähren können nach einem Feiertagsfahrplan verkehren.
- Kleidung in Schichten mitnehmen: Regenjacke, feste Schuhe und ein warmer Pullover sind auch im Juni sinnvoll.
- Private Feiern respektieren: Viele Mittsommerfeste finden im Familien- oder Freundeskreis statt und sind keine öffentlichen Veranstaltungen.
Bei öffentlichen Feiern ist die Teilnahme meist unkompliziert. Folgen Sie den Hinweisen vor Ort und fragen Sie, bevor Sie einzelne Personen aus der Nähe fotografieren. Blumenkränze, Picknickdecken und unperfekte Tanzschritte sind willkommen; besondere Vorkenntnisse sind nicht nötig.
Fazit
Schwedisches Mittsommer verbindet die hellsten Tage des Jahres mit Musik, Blumen, gemeinsamem Essen und regionalen Traditionen. Gerade weil viele Feiern außerhalb der Städte stattfinden und der Alltag am Wochenende weitgehend ruht, lohnt sich eine sorgfältige Vorbereitung. Prüfen Sie im Frühjahr das aktuelle Programm Ihres Reiseziels und erledigen Sie Einkäufe sowie Buchungen rechtzeitig.









