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Skanaffaer.de

Bertha von Suttner und Alfred Nobel: Ihr Einfluss auf den Friedenspreis

Solveig von Solveig
1. Oktober 2026
in Magazin
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Bertha von Suttner war für Alfred Nobel eine wichtige Gesprächspartnerin in Fragen von Krieg, Abrüstung und organisierter Friedensarbeit. Ihr langjähriger Austausch dürfte seine Vorstellungen vom Friedenspreis wesentlich geprägt haben. Dass sie allein die Idee dazu lieferte, lässt sich jedoch nicht belegen: Nobel beschäftigte sich schon zuvor mit Krieg und Frieden und vertrat zeitweise eine eigene, widersprüchliche Abschreckungstheorie.

KI-generierte Illustration

Gerade diese Spannung macht ihre Verbindung historisch interessant. Auf der einen Seite stand der schwedische Erfinder und Unternehmer, dessen Sprengstoffe zivilen und militärischen Zwecken dienen konnten. Auf der anderen Seite entwickelte sich Bertha von Suttner zu einer der bekanntesten Stimmen der internationalen Friedensbewegung.

Die kurze Begegnung in Paris

Bertha von Suttner wurde 1843 als Bertha Kinsky in Prag geboren. Wegen finanzieller Schwierigkeiten nahm sie 1873 eine Stelle als Erzieherin und Gesellschafterin im Wiener Haushalt der Familie von Suttner an. Dort verliebte sie sich in den sieben Jahre jüngeren Arthur Gundaccar von Suttner. Dessen Familie lehnte die Beziehung ab, weshalb Bertha das Haus verlassen musste.

Über eine Stellenanzeige kam sie 1876 nach Paris. Alfred Nobel suchte eine Privatsekretärin und eine Frau, die seinen Haushalt organisieren konnte. Die Anstellung dauerte knapp zwei Wochen. Bertha kehrte nach Wien zurück, heiratete Arthur heimlich und ging mit ihm für mehrere Jahre in den Kaukasus.

Die persönliche Begegnung mit Nobel war damit zunächst kurz. Dennoch entstand daraus eine Freundschaft, die bis zu seinem Tod im Jahr 1896 anhielt. Beide sahen sich nur selten, blieben aber durch zahlreiche Briefe miteinander verbunden.

Der Briefwechsel als Kern ihrer Verbindung

Aus dem Briefwechsel zwischen Bertha von Suttner und Nobel geht eine tiefe Diskussion um Waffen und Frieden hervor. Daneben schrieben sie über Literatur, persönliche Sorgen, gesellschaftliche Entwicklungen und Suttners Arbeit in der Friedensbewegung.

Suttner warb für organisierte Friedensarbeit

Nach ihrer Rückkehr nach Österreich lernte Bertha von Suttner die entstehende internationale Friedensbewegung näher kennen. Sie setzte sich für Schiedsgerichte, Verständigung zwischen Staaten und eine Begrenzung der Rüstung ein. Sie informierte Nobel über Kongresse, Organisationen und politische Initiativen.

1892 versprach sie ihm, regelmäßig über die Fortschritte der Bewegung zu berichten und ihn von deren praktischer Bedeutung zu überzeugen. Damit war sie für Nobel nicht nur eine pazifistische Mahnerin, sondern auch eine Vermittlerin zu einem internationalen Netzwerk, dessen Arbeit er durch sie genauer verfolgen konnte.

Nobel blieb skeptisch

Nobel übernahm Suttners Positionen nicht einfach. Er vertrat zeitweise die Vorstellung, besonders zerstörerische Waffen könnten Kriege verhindern, weil Staaten angesichts der möglichen Folgen vor einem Angriff zurückschrecken würden. Diese frühe Abschreckungsidee stand Suttners Vertrauen in internationale Zusammenarbeit, Abrüstung und Schiedsgerichte gegenüber.

Die Briefe zeigen deshalb keinen einseitigen Sinneswandel, sondern einen langen, teilweise kontroversen Austausch. Suttners Bedeutung lag gerade darin, Nobel immer wieder mit konkreter Friedensarbeit und anderen Lösungswegen zu konfrontieren.

Ein angekündigter Friedenspreis

Im Januar 1893 schrieb Nobel an Suttner über seinen Plan, einen Preis für einen bedeutenden Beitrag zur Befriedung Europas zu schaffen. Die Idee war zu diesem Zeitpunkt also bereits deutlich formuliert. Zwei Jahre später legte er die endgültige Form in seinem Testament fest.

Dass Nobel diesen Plan gerade gegenüber Suttner erläuterte, spricht für ihre besondere Rolle als Vertraute in Friedensfragen. Es ist jedoch kein Beweis dafür, dass die Idee ausschließlich von ihr stammte.

„Die Waffen nieder!“ und Suttners öffentliche Wirkung

1889 erschien Bertha von Suttners Roman Die Waffen nieder!. Im Mittelpunkt steht eine Frau, die mehrere Kriege und deren Folgen für ihre Familie erlebt. Das Buch zeigt schonungslos die Grausamkeit des Krieges und hinterfragt die Verherrlichung von Konflikten.

Der Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und machte Suttner weit über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt. Ihr Einfluss beruhte fortan nicht nur auf der persönlichen Verbindung zu Nobel. Sie wurde selbst zu einer international sichtbaren politischen Autorin und Aktivistin.

1891 gehörte sie zu den treibenden Kräften bei der Gründung der Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde. Sie nahm an internationalen Kongressen teil, hielt Vorträge und arbeitete mit weiteren Persönlichkeiten der Friedensbewegung zusammen. Ihre Argumente und Forderungen waren damit nicht nur Teil des privaten Briefwechsels, sondern auch öffentlich präsent.

Alfred Nobels widersprüchliches Verhältnis zu Krieg und Frieden

Alfred Nobel wurde 1833 in Stockholm geboren und entwickelte sich zu einem international tätigen Erfinder und Unternehmer. Dynamit und andere von ihm entwickelte Sprengstoffe erleichterten Arbeiten im Bergbau, Tunnelbau und bei großen Infrastrukturprojekten. Zugleich trugen Fortschritte der Sprengstofftechnik zur Weiterentwicklung militärischer Möglichkeiten bei.

Nobel beschäftigte sich intensiv mit diesem Spannungsverhältnis. Ihn lediglich als Waffenproduzenten darzustellen, greift allerdings ebenso zu kurz wie das Bild eines durch Suttner vollständig bekehrten Pazifisten. Er war naturwissenschaftlich, literarisch und philosophisch interessiert und befasste sich über Jahre mit der Frage, wie Kriege verhindert werden könnten.

Seine Überlegungen verbanden technische Abschreckung, Skepsis gegenüber politischen Institutionen und schließlich die finanzielle Förderung konkreter Friedensarbeit. Der Austausch mit Suttner gab diesen Überlegungen einen dauerhaften Gegenpol und dürfte Nobels Verständnis der organisierten Friedensbewegung vertieft haben.

Wie groß war Bertha von Suttners Einfluss wirklich?

Für einen erheblichen Einfluss sprechen mehrere Punkte:

  • Suttner und Nobel diskutierten über viele Jahre hinweg Fragen von Krieg, Abrüstung und Frieden.
  • Sie informierte ihn gezielt über Friedensgesellschaften und internationale Kongresse.
  • Nobel teilte ihr 1893 seinen Plan für einen Friedenspreis mit.
  • Ein Testamentsentwurf aus dem Jahr 1893 sah zeitweise auch eine Unterstützung von Suttners Österreichischer Friedensgesellschaft vor.
  • Die Kriterien des späteren Friedenspreises – Völkerverständigung, Abrüstung und Friedenskongresse – berührten zentrale Arbeitsfelder der damaligen Friedensbewegung.

Die Grenzen des Nachweises sind ebenso wichtig. Nobel hinterließ keine Erklärung, in der er Suttner ausdrücklich als Urheberin des Friedenspreises bezeichnete. Auch andere Schriftsteller, Politiker und Friedensaktivisten gehörten zu seinem geistigen Umfeld. Hinzu kamen seine eigenen Überlegungen zu Fortschritt, Abschreckung und gesellschaftlicher Verantwortung.

Die historisch belastbare Einordnung lautet daher: Bertha von Suttner war eine bedeutende Impulsgeberin und wahrscheinlich Nobels wichtigste persönliche Verbindung zur organisierten Friedensbewegung. Eine alleinige Urheberschaft am Friedensnobelpreis kann ihr nicht zugeschrieben werden.

Nobels Testament und der Friedenspreis

Alfred Nobel unterzeichnete sein letztes Testament am 27. November 1895 in Paris. Der größte Teil seines Vermögens sollte einen Fonds bilden, aus dessen Erträgen jährlich Preise in Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden finanziert werden.

Der Friedenspreis sollte an eine Person gehen, die sich besonders für die Verständigung zwischen den Völkern, die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere und die Förderung von Friedenskongressen eingesetzt hatte. Anders als die übrigen Nobelpreise sollte ihn ein vom norwegischen Parlament bestimmtes Komitee vergeben. Deshalb wird der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen, während die übrigen Nobelpreise in Stockholm überreicht werden.

Nobel starb am 10. Dezember 1896 in Sanremo. Die Umsetzung seines Testaments war rechtlich und organisatorisch schwierig, doch 1901 konnten die ersten Nobelpreise verliehen werden.

Bertha von Suttner als Friedensnobelpreisträgerin

1905 erhielt Bertha von Suttner als erste Frau den Friedensnobelpreis. Ausgezeichnet wurde nicht ihre Freundschaft mit Alfred Nobel, sondern ihre eigenständige Arbeit als Schriftstellerin, Organisatorin und international bekannte Vertreterin der Friedensbewegung.

Die Auszeichnung hatte dennoch eine besondere historische Bedeutung. Eine Frau, die Nobel über Jahre zur Unterstützung der Friedensarbeit ermutigt hatte, wurde schließlich selbst Trägerin des von ihm gestifteten Preises. Ihr Wirken reicht deshalb weit über die häufig romantisierte Erzählung einer außergewöhnlichen Freundschaft hinaus.

Die wichtigsten Jahre im Überblick

Jahr Ereignis
1876 Kurze Beschäftigung Bertha von Suttners bei Alfred Nobel in Paris; anschließend Heirat mit Arthur von Suttner.
1889 Veröffentlichung des Antikriegsromans Die Waffen nieder!.
1891 Gründung der Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde unter maßgeblicher Beteiligung Suttners.
1893 Nobel berichtet Suttner von seinem Plan für einen Friedenspreis.
1895 Nobel unterzeichnet sein letztes Testament mit den fünf Preisgebieten.
1896 Alfred Nobel stirbt in Sanremo.
1905 Bertha von Suttner erhält als erste Frau den Friedensnobelpreis.

Fazit

Bertha von Suttner hat den Friedensnobelpreis nicht nachweislich allein angeregt. Sie gab Alfred Nobel jedoch über Jahre hinweg wichtige intellektuelle und politische Impulse und brachte ihm die Ziele und Arbeitsweisen der internationalen Friedensbewegung näher.

Dennoch muss die Entstehung der Nobelpreise aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Nobels eigene Friedensvorstellungen, sein technisch-industrielles Umfeld und der Austausch mit weiteren Zeitgenossen spielten ebenfalls eine Rolle. Suttners besondere Leistung lag darin, aus der persönlichen Diskussion eine öffentliche, internationale Arbeit für Abrüstung und Verständigung zu machen.

Quellen

  • NobelPrize.org: Biografie Bertha von Suttners
  • NobelPrize.org: Alfred Nobel, sein Leben und sein Testament
  • NobelPrize.org: Entstehung und Entwicklung des Friedensnobelpreises
  • Deutsche Biographie: Bertha von Suttner
  • Österreichische Nationalbibliothek: Bertha von Suttner – Biografie und Literaturhinweise
Tags: Alfred NobelBertha von SuttnerbücherFriedensbewegungFriedensnobelpreisshopZeitgeschichte
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